Archiv der Kategorie: Gesamtsituation

Ampelsystem

Nachdem wir unseren Grützeschadbären immer noch nicht gefasst haben, unsere Einbahnstraßenbeschilderung versagt hat und heute morgen wieder ein Grützebecken teilweise geleert war, hat uns unser Chef dieses Ampelsystem genehmigt. Weil: wenn es ein schlauer Bär ist, dann geht er bei Rot nicht über die Straße (bzw. unseren Kraftwerkshighway), wenn doch, wird er überfahren. Dieser Logik konnte ich mich durchaus anschließen. Wobei – im zweiten Fall sollte man der Kantine _nicht_ bescheid geben … sonst gibt’s wieder die ganze Woche Bärentatzen oder Bärenkopf auf der Speisekarte. Obwohl – zäher als der olle Lederfußball kann der Bär auch nicht sein!

Ampelzucht

Ist das ein Problem, Bär?

Mal ganz abgesehen davon, dass uns dieser Bär mit seiner Präsenz so mittelbar nach dem tragischen Ableben seines Bärenkollegen Bruno beglückt – was steckt hinter dieser Häufung von Zwischenfällen in Zusammenhang mit Meister Petz? Nicht genug, dass ich schon einige Nächte wegen der anhaltenden Hitze nicht schlafen konnte, nein, auch unser bäriger Freund bereitet mir Schlaflosigkeit.

Was führt ihn auf unser Gelände? Was ist an Grütze so interessant? (Ich meine für Bären, schon klar, oder?). Warum steppt der Bär auf Kraftwerkswiesen?
Ist’s Wissbegier, gar Forscherdrang?
Oder – was verständlich wär’ – der Drang zu Überleben?
Denn in der Not, da frisst der Bär die Grütze.
Ob Rot, ob Grün, ganz einerlei:
wohlig füllt der Grützebrei des darbend Bären Magen.

Derart gesättigt steht der Sinn nicht mehr nach Schaf, Geflügel, Rind und andern fleischlich Waren.
So hat’s sein Gutes – alldieweil – ich bin’s noch nicht zufrieden!

Wie ward es möglich ihm, dem Ursus, des Kraftwerks schützend Wall
so mir nix dir nix zu durchbrechen
und sich am Grützevorrat schadlos haltend
Nächte zu durchzechen?

(Wenn Nachts tropische Temparaturen vorherrschen, spreche/denke/träume/fabuliere ich oft in gebundener Sprache. Klingt komisch, is aber so.)

Sinnierend nächtens auf dem Lager wälzend blitzt es mir in Gedanken auf:
was, wenn alles missverstanden wär’? Wenn er –
der Bär – nicht wahrhaft menschlich’ sprachbegabt – gar “Bär’n” mit “Beeren” schicksalhaft verwechselte?
Wähnt’ ihn gar, dass BÄREN und nicht BEEREN wir der Grütze beigemengt?
Des Bären Ohr, wie nimmt es unsre Sprach’ wohl wahr?
Wollt’ am End’ er seine Brüder aus des Werkes Fängen wohl befreien, und seine Schwestern auch?
Edler Kämpfer, Bär, für Freiheit, Gleichheit, Bärigkeit?

So lasst ihn ziehen, preist ihm Ehr’! Ein’ solchen Bären find’t so schnell ihr nimmermehr!

Privatnutzung des Katinenmobiliars

Nachdem der Betriebsrat zusammen mit den Jungs aus der Sicherheitsabteilung (also uns) es endlich geschafft hat, unseren betagten Tisch in der Kantine gegen ein neues Modell auszutauschen hat uns der Chef bzw. dessen Steuerberater einen Strich durch die Rechnung gemacht bzw. ein nicht zu unterschätzendes Problempotential aufgetan: die Privatnutzung des neuen Kantinentisches.

Tisch

D.h. wenn praktisch der Chef oder einer von uns Bediensteten an diesem Tisch irgend etwas außerbetriebliches macht – wie Brotzeit oder einfach das Verfassen einer Glückwunschkarte – muss er diese Privatnutzung neuerdings versteuern. Entweder pauschal 1% vom Neuanschaffungspreis pro Monat – oder Stundenweise. Dies geht natürlich nur mit Hilfe eines Sitzungsbuches. Somit muss nun jede Brotzeit erfasst werden, selbst wenn sie mit einer betrieblichen Konservation gespickt ist. Betriebsfeiern werden nach Anordnung des Chefs nur noch als Stehparty abgehalten – irgendwo müssen wir ja sparen.

Grützeplasma weckt Interesse von Investoren

Die Plasmageschichte wird ganz groß, da liegt was in der Luft. Gestern war eine japanische Delegation eines ebenso japanischen Konzerns im Haus. (Namen des Hauses darf ich aus Sicherheitsgründen nicht nennen.) Wenn ich meiner Informantin aus dem Marketing trauen kann, wird Grützeplasma “the next big thing” in der Entwicklung des digitalen Fernsehens. Alle tun unheimlich geheimnisvoll, aber ich glaube die Japaner werden mit einer deutschen Entwicklung wieder das machen, was sie immer tun: marktreif machen und wie wahnsinnig verkloppen. Hoffentlich bleibt was an Lizenzgebühren bei uns hängen.

Aber noch ist noch nichts in trockenen Tüchern. Eine Problematik ist angeblich die Farbdarstellung. Da wir naturgemäß mit roter und grüner Grütze arbeiten ist der Farbraum für die Bildwiedergabe etwas eingeschränkt. Das schliesst zudem auch noch den Anteil der Bevölkerung aus, die an – unwissenschaftlich gesagt – Rot-Grün-Blindheit leiden. Diese Sehschwäche betrifft ausgerechnet überwiegend Männer, also der Mehrheit der fußballsehenden Fernsehnation. Ein Nachteil für’s Marketing: 2010, die nächste Weltmeisterschaft und kein Argument, einen neuen Grützplasmafernseher zu kaufen.
Ein Duell wie Schweiz gegen Iran mit Ihren roten und grünen Trikots auf sattgrünen Rasen: exzellentes Bild auf dem Grützebildschirm für Normalsichtige, aber für visuell benachteiligte ist das Spiel nicht viel interessanter als die Nationalflagge von Bangladesh. Es bleibt schwierig.

Alternative Energien

Gut, die Rohstoffe werden knapper und beispielweise Kohle reicht aucht nicht mehr so lange. Oft nicht mal bis Monatsende. Das ist ein lustiger Kalauer in Kraftwerkerkreisen, der sich auch noch über Jahre halten wird.

Deswegen befassen wir uns ja auch mit der Grützealternative. Jedoch gibt es auch Skeptiker unter den Forschern die schon seit langem vor der Endlichkeit der Grütze als Ressource zur Stromerzeugung warnen. Egal ob rot oder grün (die Grütze, nicht die politische Haltung) – irgendwann, so unken sie, wird es die pflanzlichen Rohstoffe, die ja unbestritten zur Grützeproduktion vonnöten sind nicht mehr geben. Umweltverschmutzung, Ozonloch, Klimawandel etc. tragen dazu bei, dass keine heimischen Beeren mehr in ausreichender vorhanden sein werden. Mit Beerenimporten aus dem Ausland würden wir uns abhängig machen, ganz abgesehen von der evtl. unterschiedlichen stofflichen Zusammensetzung dieser Importfrüchte, die sich nachteilig auf die Stromausbeute auswirken kann.

Götterspeise galt daher für einige Zeit als alternativer Energieträger. Erste Versuchsreihen verliefen vielversprechend. Jedoch gab es Probleme mit dem Marketing. Es wurde in einer kleinen Marktforschung untersucht, wie potenzielle Kunden die Energiegewinnung aus Götterspeise bewerten und ob sie dieses Verfahren unterstützen würden. Es gab Reaktionen aus einer Ecke, mit der wir nicht gerechnet hatten: Glaubensgemeinschaften. Obwohl es keine Ablehung gegen die Energieform als solche gab, konnten sich Vertreter monotheistische Religionen nicht recht mit der Pluralform “Götter” anfreunden. Unsere Marketingabteilung gab schließlich die Richtlinie heraus, dass künftige Energiequellen auf konfessionelle Unbedenklichkeit zu überprüfen sind.